Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre
Sehr geehrte Damen und Herren

Die turbulenten Finanzmärkte stellen Banken vor grosse Herausforderungen. Anfang des Jahres 2012 hatten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich an Stabilität gewonnen. Doch die Beruhigung an den Finanzmärkten hielt nicht lange an. Im Frühsommer präsentierte die internationale Konjunktur ein Bild mit beachtlichen Risiken. Die EU-Schuldenkrise flammte an den Finanzmärkten wieder auf. Die Geldpolitik blieb international unverändert expansiv. Die Anleger zeigten sich weiterhin zurückhaltend. Dieses Marktumfeld eröffnet aber auch Chancen für all jene, die Veränderungsprozesse rasch und nachhaltig umsetzen. Ein Weg, den die LLB-Gruppe konsequent geht. Im ersten Halbjahr 2012 haben wir wichtige Schritte gesetzt.

Gutes Hypothekargeschäft

Die Kundenvermögen erreichten Mitte 2012 CHF 48.7 Mia. (31. Dezember 2011: CHF 48.1 Mia.). Der Anstieg um 1.2 Prozent ist auf die positive Marktperformance zurückzuführen. Die LLB-Gruppe verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Netto-Neugeld-Zufluss von CHF 2 Mio. (30. Juni 2011: CHF 529 Mio.).

In einem schwierigen Umfeld konnte die LLB-Gruppe im Kreditgeschäft ihre traditionell starke Position festigen. Die Kundenausleihungen stiegen um 3.2 Prozent auf CHF 10.7 Mia. (31. Dezember 2011: CHF 10.3 Mia.). Der weiterhin dynamische Immobilienmarkt in Liechtenstein und der Ostschweiz hatte zur Folge, dass die Hypothekarforderungen um 1.6 Prozent auf CHF 8.8 Mia. (31. Dezember 2011: CHF 8.7 Mia.) anstiegen.

Die Zunahme im Zinsengeschäft um 7.0 Prozent auf CHF 98.5 Mio. (30. Juni 2011: CHF 92.1 Mio.) war erfreulich. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sank aufgrund des geringeren Anlagevolumens und rückläufiger Wertschriftentransaktionen um 4.1 Prozent auf CHF 103.1 Mio. (30. Juni 2011: CHF 107.6 Mio.). Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft erhöhte sich um 3.3 Prozent auf CHF 5.1 Mio. (30. Juni 2011: CHF 4.9 Mio.). Der Erfolg aus Finanzanlagen, erfolgswirksam zum Fair Value bewertet, steigerte sich mit CHF 22.1 Mio. (30. Juni 2011: minus CHF 6.3 Mio.) markant.

Der Geschäftsaufwand verringerte sich um 2.0 Prozent auf CHF 164.1 Mio. (30. Juni 2011: CHF 167.4 Mio.). Der Personalaufwand sank um 19.9 Prozent auf CHF 75.0 Mio. (30. Juni 2011: CHF 93.6 Mio.). Dies ist auf eine einmalige Reduktion des Vorsorgeaufwands um CHF 19.8 Mio. aufgrund der Umstellung der Personalvorsorgestiftung der LLB AG auf das Beitragsprimat zurückzuführen.

Der Sachaufwand der LLB-Gruppe lag Ende Juni 2012 mit CHF 42.5 Mio. um 0.3 Prozent unter dem des ersten Halbjahres 2011 (30. Juni 2011: CHF 42.7 Mio.). Die Wertberichtigungen, Rückstellungen und Verluste betrugen CHF 28.8 Mio. (30. Juni 2011: CHF 12.7 Mio.). Die Cost-Income-Ratio ist auf 57.8 Prozent (30. Juni 2011: 75.3 %) zurückgegangen.

Das Konzernergebnis belief sich auf CHF 61.6 Mio. (30. Juni 2011: 34.3 Mio.), was einem Anstieg von 79.9 Prozent entspricht.

Solide Eigenkapitalausstattung

Ein entscheidender Grundpfeiler für unternehmerisches Wirken ist das Eigenkapital der Bank. Dies erhöhte sich um 0.6 Prozent auf CHF 1.7 Mia. (31. Dezember 2011: CHF 1.6 Mia.). Mit einer Tier 1 Ratio von 13.6 Prozent verfügt die LLB-Gruppe über eine im Branchenvergleich hohe finanzielle Stabilität. Das Eigenkapital der Bank besteht ausschliesslich aus hartem Kernkapital. Mit ihrer soliden Eigenmittelausstattung liegt die LLB bereits heute über dem, was die ab 2013 gültigen internationalen Eigenmittelstandards Basel III vorschreiben.

Entwicklung der LLB-Aktie

Das Land Liechtenstein hält unverändert 57.5 Prozent der LLB-Aktien. Der Aktienkurs schloss per 30. Juni 2012 bei CHF 34.00 (30. Juni 2011: CHF 75.40; 31. Dezember 2011: CHF 41.50). Dies ist ein Verlust von 54.7 Prozent (Dividende reinvestiert) gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich dazu büssten der Stoxx Europe 600 Bank Index (Total Return) in CHF –27.6 Prozent und der SWX Bankenindex (Total Return) –29.4 Prozent ein.

Die Entwicklung der an der SIX Swiss Exchange kotierten LLB-Aktie entspricht zum einen der allgemeinen Lage. Die Aussichten für den Bankensektor zeigten sich im ersten Halbjahr 2012 weiterhin sehr schwierig, nachdem Banktitel bereits 2011 stark unter Druck geraten waren. Zum anderen hatte die Aktie mit der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses 2011, mit der Information über die Einzelwertberichtigung eines Lombardkredites Ende September 2011 sowie dem nicht zufriedenstellenden Jahresergebnis 2011 deutlich nachgegeben.

Drei-Säulen-Strategie konsequent verfolgt

Unsere Drei-Säulen-Strategie zielt auf Wachstum in Liechtenstein und der Schweiz sowie auf die Erschliessung neuer Märkte. Angesichts des Strukturwandels, in dem sich der Bankensektor befindet, erwiesen sich mehrere Standbeine auch im ersten Halbjahr 2012 als tragfähiges Fundament.

Im Geschäftssegment Markt Inland, zu dem das Universalbanken- und Vermögensverwaltungsgeschäft in den Heimmärkten Liechtenstein und Schweiz zählen, verzeichnete die LLB-Gruppe einen Netto-Neugeld-Zufluss von CHF 140 Mio. (30. Juni 2011: CHF 262 Mio.). Gleichzeitig erreichten die Hypothekarforderungen einen neuen Höchststand. Der Immobilienmarkt in Liechtenstein und in der Ostschweiz hat sich aufgrund der stabilen wirtschaftlichen Grundlagen gut entwickelt. In einigen Regionen der Schweiz verdichten sich seit Anfang des Jahres jedoch Anzeichen eines erhöhten Risikos. Wir beobachten die Entwicklung im Hypothekarmarkt sehr sorgfältig und halten an unseren bewährten Grundsätzen in der Ausleihungspolitik fest.

Die Zinsen für Hypothekarkredite verharren auf historisch niedrigem Niveau, zugleich bleibt die Zinsmarge wegen des intensiven Wettbewerbs unter Druck.

Unser Geschäftssegment Markt International steht für das internationale Private Banking der LLB-Gruppe. Das Marktumfeld im internationalen Private Banking war im ersten Halbjahr 2012 weiterhin anspruchsvoll. Die Anleger waren verunsichert und zurückhaltend, was sich in geringer Kundenaktivität niederschlug. Zusätzlich drücken markant gestiegene Regulierungskosten die Profitabilität. Zugleich verhalten sich vermögende Privatkunden aufgrund der unklaren Entwicklungen an den Finanzmärkten wesentlich vorsichtiger und kostenbewusster. Vermögensschutz steht für sie im Vordergrund. Der Netto-Neugeld-Zufluss betrug CHF 26 Mio. (30. Juni 2011: CHF 86 Mio.). Der Hauptteil der Wertberichtigungen ist in diesem Segment angefallen, was zu einem Verlust führte.

Im LLB-Geschäftssegment Markt Institutionelle, zu dem das klassische Intermediär- und Fondsgeschäft sowie die Vermögensverwaltung gehören, verzeichneten wir im ersten Halbjahr 2012 einen Netto-Neugeld-Abfluss von CHF 50 Mio. aufgrund des Abzugs von Geldern einzelner öffentlicher Institutionen. Per 30. Juni 2012 betreuten wir 246 Depotbankmandate (30. Juni 2011: 234) mit einem Volumen von CHF 9.0 Mia. (30. Juni 2011: CHF 9.2 Mia.). Um unsere Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Fondsbranche zu erhöhen, bauen wir unsere Private-Labelling-Dienstleistungen stetig weiter aus. Ergänzend optimieren wir unsere Prozesse, um unseren Kunden im sich rasch wandelnden Regulierungsumfeld State-of-the-art-Lösungen anzubieten.

Der Fondsplatz Liechtenstein ist auf dem Weg zu einem attraktiven Standort für alternative Investmentfonds wie etwa Private Equity Funds oder Hedge Funds zu werden. Zügig übernimmt Liechtenstein dazu die EU-Richtlinie für Alternative Investment Fund Managers (AIFM).

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

Die LLB passt sich dem veränderten Wettbewerb an. Im ersten Halbjahr 2012 haben wir mit der Umsetzung eines Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramms begonnen, das rund 50 Massnahmen umfasst. Unter anderem bündeln wir seit 4. Juni 2012 Zahlungsverkehr, Handel und Wertschriftenverwaltung der LLB-Gruppe in Shared Service Centers am Hauptsitz in Vaduz. Auch optimieren wir die IT und bilden Kompetenzzentren, um Synergien zu nutzen. Das Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm kam im ersten Halbjahr planmässig voran. Schrittweise werden wir die Kostenbasis bis Ende 2014 um insgesamt CHF 30 Mio. senken.

Gleichzeitig haben wir unsere Organisationsstruktur per 1. Juli 2012 optimiert. Wir gliedern die Gruppen-Führungsebene neu in die drei Markt-Divisionen «Retail & Corporate Banking», «Private Banking» sowie «Institutional Clients». Neben dem Group Chief Executive Officer sind der Group Chief Financial Officer sowie der Group Chief Operating Officer auf dieser Ebene angesiedelt. Unsere Tochtergesellschaften sind seit 1. Juli 2012 enger in die Management-Prozesse der Unternehmensgruppe eingebunden. Die operative Geschäftsführung lässt sich damit effizienter und schneller auf Gruppenebene umsetzen.

Darüber hinaus reduzieren wir die Komplexität der LLB-Gruppe. Die Konzentration auf die Kernkompetenzen wird in Zukunft eine höhere Gewichtung haben. Mitte Januar 2012 haben wir mitgeteilt, dass wir unsere Beteiligung am Vermögensverwalter swisspartners Investment Network AG zu verkaufen beabsichtigen. Der Verkaufsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

Wahl von Verwaltungsräten

Die 20. ordentliche Generalversammlung der Liechtensteinischen Landesbank AG vom 4. Mai 2012 wählte Verwaltungsratspräsident Dr. Hans-Werner Gassner für eine dritte Amtszeit und bestätigte Markus Foser, Markus Büchel und Roland Oehri für weitere drei Jahre als Verwaltungsratsmitglieder.

Änderungen in der Gruppen- und Geschäftsleitung

Dr. Josef Fehr trat aus persönlichen Gründen per 16. Januar 2012 als Vorsitzender der Gruppen- und Geschäftsleitung der LLB zurück. Der Verwaltungsrat ernannte seinen bisherigen Stellvertreter Roland Matt zum Group Chief Executive Officer und beförderte Christoph Reich zum Group Chief Financial Officer und zum Mitglied der Gruppen- und Geschäftsleitung. Mit der neuen Organisationsstruktur besteht die Gruppen- und Geschäftsleitung aus sechs Mitgliedern. Die Markt-Division «Retail & Corporate Banking» leitet Dr. Heinz Knecht, «Private Banking» wird ab 1. Oktober 2012 von Dr. Gabriel Brenna geleitet, für die Markt-Division «Institutional Clients» ist lic.iur. Urs Müller verantwortlich, den der Verwaltungsrat auch zum Stellvertreter des Group CEO bestellt hat. Dr. Kurt Mäder ist als Group Chief Operating Officer verantwortlich für die Führung der Infrastruktur- und Dienstleistungsfunktionen der LLB-Gruppe.

US-Steuerthematik

Ein zentrales Thema im ersten Halbjahr 2012 war ein Amtshilfegesuch aus den USA. Am 1. Mai 2012 trat das revidierte Steueramtshilfegesetz USA (AHG-USA) in Kraft. Gestützt darauf hat das U.S. Department of Justice Mitte Mai 2012 ein Amtshilfeersuchen an die FL-Steuerverwaltung gestellt. Diese hat die LLB AG daraufhin informiert und um Herausgabe von US-Kundendaten der LLB AG ersucht. Die LLB AG hat die eingeforderten Daten an die FL-Steuerverwaltung geliefert.

Dabei handelt es sich um Daten von US-Kunden der Liechtensteinischen Landesbank AG, Vaduz. Daten anderer Banken der LLB-Gruppe sind davon nicht betroffen. Die USA sind und waren nie strategischer Zielmarkt der LLB-Gruppe, der Anteil an US-Kunden betrug nie mehr als rund 1 Prozent aller Kundenbeziehungen.

Die LLB steht in enger Kooperation mit den Behörden Liechtensteins, der Schweiz und der USA und ist unter Beachtung der jeweiligen gesetzlichen Vorschriften bestrebt, an einer effizienten und abschliessenden Erledigung der Sache mitzuarbeiten.

Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) hat Anfang 2012 eine Untersuchung über das US-Kundengeschäft der Liechtensteinischen Landesbank eingeleitet. Mitte August 2012 hat die FMA der LLB eine Verfügung zugestellt und damit die Untersuchung abgeschlossen. Die FMA trägt der LLB darin organisatorische Anpassungen im gruppenweiten Risikomanagement auf. Die FMA verfügt keine weitergehenden Sanktionen und keine Busse.

Fokus auf Kunden und Märkte

Das wirtschaftliche Umfeld bleibt anspruchsvoll. Die LLB-Gruppe ist ein traditionsreiches Finanzdienstleistungsunternehmen, dessen zukunftsorientierte Entwicklung auf einer soliden Kapitalbasis steht. Sie gestaltet ihre Zukunft aktiv und fokussiert. Durch die im ersten Halbjahr 2012 eingeleiteten Massnahmen richtet sie sich noch gezielter und konsequenter auf die Bedürfnisse der Kunden und die Veränderungen der Märkte aus. Wir sind überzeugt, dass unsere neue Organisationsstruktur sowie das Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm dazu beitragen, unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

Unser herzlicher Dank gilt Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, für Ihr Vertrauen. Was die LLB erreicht hat, gelang uns dank unserer Aktionäre und Kunden, die uns die Treue halten, und unseren Mitarbeitenden, die tagtäglich ihr Bestes geben.

Freundliche Grüsse

Roland Matt, Chief Executive Officer (Unterschrift)

Roland Matt
Group Chief Executive Officer

Dr. Hans-Werner Gassner, Präsident des Verwaltungsrates (Unterschrift)

Dr. Hans-Werner Gassner
Präsident des Verwaltungsrates

nach oben